Atemtherapie
Übersicht
1 Beschrieb der Atemtherapie
2 Arbeitstechniken
3 Grenzen der Atemtherapie
1 Beschrieb der Atemtherapie
1.1 Geschichte und Philosophie
1.1.1 Geschichte
Die Entwicklung des Wissens um die Aufgaben und Wirkungsweisen des Atems geht einher mit der Geschichte der Menschheit. Die Ursprünge liegen über 4000 Jahre zurück. Atem und Lebenskraft waren in vielen Religionen gleichbedeutend, so dass zwischen beiden Begriffen kein Unterschied gemacht wurde.
In der östlichen Welt entwickelten sich viele Atem- und Bewegungsschulen wie Yoga, Zen-Praktiken, Qi Gong und Tai-Chi. Im antiken Griechenland entstanden die Pneumaschulen. Die Aufgabe dieser Schulen war es, die geistige und persönliche Reifung und die religiöse Entwicklung des Menschen zu fördern.
Die Erkenntnisse der antiken Naturlehre fanden Eingang in die mittelalterlichen Lehrbücher. Auch Hildegard von Bingen muss schon aussergewöhnlich grosse Kenntnisse über den Atem gehabt haben. Ohne diese wären ihre Gesangskompositionen nicht benutzbar gewesen. Ebenso spricht die Beobachtung von Paracelsus «Alle Heilung geht durch den Atem» dafür, dass er die heilende Wirkung des Atems kannte. So wandten im Mittelalter Ärzte atemgymnastische Übungen als sanftes Heilmittel an. Dadurch wurde eine vermehrte Durchblutung erzielt, um die Hitze in den inneren Organen zu steigern, und die Organe von Abfallprodukten zu befreien. In der westlichen Welt geriet dieses ursprüngliche Wissen nach und nach in Vergessenheit. Eine ausschliesslich naturwissenschaftliche Sicht mit funktionell-mechanischem Umgang mit dem Atem dominierte die weitere Entwicklung.
1.1.2 Philosophie
Die Atem- und Leibtherapie entwickelte sich im deutschsprachigen Raum Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts. In jener Zeit des Aufbruchs in Wissenschaft und Technik, besann sich eine Minderheit von bewusst lebenden Menschen auf das alte Wissen. Der Atem wurde als ein eigenständiges Phänomen erkannt, das nicht nur der aufstrebenden naturwissenschaftlichen Medizin zuzuordnen war. In philosophischen und geistigen Strömungen dieser Zeit erhielten Atem und Körper eine besondere Bedeutung. Vor allem Vertreter der Lebensphilosophie, der Reformpädagogik und der Körperkulturbewegung thematisierten das Körper-Seele-Phänomen. Sie formulierten viele Fragestellungen zum Thema Körper und Atem. Ein Interesse am bewussten Körpererleben, an sensitiven Bewegungsweisen, am Ausdruckstanz sowie an rhythmischer Gymnastik und an Atemerfahrungen wurde wach. Sie verwendeten die Bezeichnung Leibpädagogik für alle Methoden der neuen Kulturbewegung, in denen man sich mit Atem, Bewegung und Gymnastik im weitesten Sinne beschäftigte.
Die Biedermeierzeit (1815 bis 1848) bildete den geistigen Hintergrund für die Naturheilbewegung. In dieser Zeit schlossen sich überwiegend an Medizin interessierte Laien zu einer lebensreformerischen Bewegung zusammen und setzten sich für eine Befreiung des Menschen aus einer als dekadent und ungesund empfundenen Lebensweise ein. Atem, gute Luft, gesunde Ernährung und Bewegung wurden zum Synonym für gesundes Leben und die Lebendigkeit schlechthin. Schon damals beinhaltete die Naturheilkunde eine Weltanschauung, die sich gegen die Einflüsse der damaligen Industriegesellschaft richtete. Ein weiterer Grund zur methodischen Entwicklung der damaligen Atemarbeit und Leibpädagogik waren die massive Verbreitung der Tuberkulose sowie die Mangel- und Fehlernährung. Im Gegensatz dazu strebte die ärztliche Atemgymnastik auf der Grundlage ihrer mechanistischen Weltsicht danach, mit Mechanik gegen Schwindsucht, Asthma, Lungenemphyseme und andere Lungenerkrankungen anzukämpfen.
Die Philanthropie beeinflusste durch die erstmalige Integration von Bewegungsschulung und Elementargymnastik in den Schulunterricht die Leibpädagogik wesentlich. Dadurch sollte der kindliche Körper zur vollkommenen Einheit und Harmonie mit Geist und Seele zurückgeführt werden. Schon Heinrich Pestalozzi (1746 bis 1827) wies darauf hin, dass der Leib der Kinder ein Tempel des heiligen Geistes sei. Die Bedeutung von Körperwahrnehmungen für das gesamte körperlich-seelische Befinden und Eigenerleben war ihm bewusst. An Pestalozzis Elementarbildung haben 100 Jahre später einige Atem- und Leibpädagoginnen wieder angeknüpft.
1.1.3 Entwicklung verschiedener Atemmethoden in Westeuropa
Den eigentlichen Anstoss zur Entdeckung des schöpferischen Ausdruckes des Atems gab der französische Schauspieler François Delsarte (1811 bis 1871). Durch den Verlust seiner Stimme entdeckte er die Atemeinheit des Stimmausdruckes mit dem Körperausdruck. Das Erleben des Atems diente dem Schauspiel- wie dem Gesangsunterricht. Er erkannte wohl als Erster, wie die Bewegung aus dem Atem verbunden mit den menschlichen Gesten und Gebärden den Zuschauer begeistert.
Der Atem war auch das Problem und die Gesundung im Leben von Leo Kofler (1837 bis 1908). Durch die Beschäftigung mit dem Kehlkopf, mit der Stimme und der Atmung entdeckte er die natürliche Atmung. Dazu schrieb er das Büchlein mit dem Titel «Die Kunst des Atmens». Sein Inhalt diente als Fundament der weiteren Entwicklung der Atemarbeit.
In Europa war das Thema Atem im Bereich der Leibesübungen und Körpergestaltung auch durch den Einfluss von Yoga und der Philosophie des antiken Griechenlandes mit dessen Ästhetisierung des Körpers allgegenwärtig geworden. Die Yogaliteratur selbst vermittelte unterschiedliche Atempraktiken. Integrierfähige Bereiche von Yoga wurden für westliche Körper- und Atemübungen aufgenommen. Für den nötigen geistigen Überbau sorgten auch neue bzw. neu entworfene religiöse Systeme wie Mazdaznan. Viele Atempädagoginnen und ihre Anhänger waren von diesen Strömungen beeinflusst.
Die Entwicklung einer psychologisch orientierten Atemarbeit wurde wesentlich geprägt von Carl Gustaf Jung, Gustaf Heyer, Willhelm Reich und Cornelis Veening. Nach Veening (1895-1976) kann der Mensch mit der Freisetzung seines eigenen Atemrhythmus’ eine transzendente Tiefe erreichen. Er entwickelte eine Körpertherapie, die er atempsychologische Arbeit nannte. Deren Fundierung suchte er in tiefenpsychologischen Konzepten, mit dem Versuch an zeitgemässe Vorstellungen der Schulmedizin anzuknüpfen. Er beschäftigte sich ausserdem mit östlichen Meditationspraktiken und der Psychotherapie. Von Letzterer löste er sich später wieder, um noch mehr die Haltung des Geschehenlassens zu pflegen, was die im Menschen ruhenden Kräfte entfalten lässt. Daraus entwickelte sich eine Atemarbeit, die natur- und geisteswissenschaftliches Denken vereint und den Mensch in seiner Ganzheit begreift. Elisabeth von Gunten, Herta Grun, Herta Richter, Ilse Middendorf und Margrith Schneider arbeiteten und lernten u.a. mit und von Cornelis Veening
Der Arzt Johannes Ludwig Schmitt (1896-1963) schrieb, dass die Zeit gekommen sei, in der sich alte Weisheit und Forschungsergebnisse der modernen Wissenschaft im Phänomen der Atmung vereinen. Auch bekannte er, dass er von keiner Heilform wisse, die, wie die Atemheilkunst, dem Menschen die königliche Würde zutiefst wirksamer Selbsthilfe schenkt. Er widmete sich während Jahrzehnten der praktischen Anwendung der Atemwissenschaft und Atemtherapie und legte das Fundament für eine Zusammenstellung der speziellen Anatomie und Physiologie der Atembehandlung. Zudem entwickelte er eine Ganzheitsbehandlung, welche die natürlichen Heilkräfte des Menschen anregt und entfaltet.
Nach ca. 1945 gab es eine Wiederbelebung der Atemarbeit. Viele Einsichten, Erfahrungen und Entwicklungen aus der Pionierzeit bildeten das Fundament für die Weiterentwicklung. Schülerinnen von Leo Kofler gründeten die Atemschule für Stimmführung und Gesang nach Schlaffhorst-Andersen. Ihr Konzept des dreiteiligen Atemrhythmus floss methodisch in die weiteren Strömungen und Entwicklungen der Atemarbeit mit ein.
Elisabeth von Gunten widmete sich mehr der individuellen Betreuung, um das von Veening Erfahrene mit der ihr eigenen spirituellen Tiefe weiterzugeben. Herta Richter vereinte den Ansatz von Schmitt mit der Atemlehre von Veening.
Ilse Middendorf (1910) begründete in den 1960er Jahren ihre eigene Atemlehre, den «Erfahrbaren Atem». Diese richtet sich ebenfalls auf den ganzheitlichen Menschen aus und zieht seelische Bezogenheiten mit ein. Margrith Schneider (1917) wurde durch ihre jahrzehntelange Forschung Begründerin der «Logopsychosomatik» auf der Grundlage der physiologischen, seelischen und geistigen Anatomie.
Der atemheilkundige Arzt, Johannes Ludwig Schmitt, gehörte u.a. zu den grossen Lehrern von Klara Wolf (1909-2006), die 1940 ihre Atemschule gründete. Neben ihrer tänzerisch-künstlerischen Laufbahn entwickelte sie in lebenslanger Forschungs- und Lehrtätigkeit die «Integrale Atem- und Bewegungsschulung» IAB.
Volkmar Glaser (1912-1997) erforschte die komplexen Zusammenhänge von Psyche und Atem und erhielt dabei wesentliche Impulse von seinem Lehrer Johannes Ludwig Schmitt. Dabei entdeckte er, dass die Atembehandlung nur durch die Intension des zwischenmenschlichen Kontaktes wirkt. Der Behandelnde ist in der Lage, über sich hinaus zu spüren und bietet dadurch einen atmosphärischen Raum an, in dem sich der Atemschüler gemeint fühlt und die gemeinsame Begegnungsdimension mit belebt. Nur so kann vom Atem getragene menschliche Begegnung stattfinden. Die Lehre der «Psychotonik» Glasers ist über dies ein diagnostischer und therapeutischer Zugang, der die psychosomatischen Ansätze westlicher und östlicher Heilkunde verbindet - eine Synthese zwischen dem östlichen Meridiansystem und dem westlichen Entwicklungsverständnis. Glaser fand Entsprechungen zwischen archaischen Bewegungs- und Zustandsformen gedehnter Muskelketten und dem entsprechenden Verlauf der Meridiane. Jede dieser Bewegungs- und Zustandsform ist begleitet von einem charakteristischen Atem-, Spannungs- und Bewegungsbild mit einer spezifischen Lebens- und Handlungsthematik. Als Neurophysiologe gelang es Glaser, die Bedeutung des Gamma-Nervensystems für den Tonusaufbau und die Atemregulation wissenschaftlich zu begründen.
Der Pädagoge und Musiker Hinrich Medau (1891-1974) orientierte sich am Leitbild der organischen Ganzheit und Vernetztheit des Individuums mit seinem Umfeld. Achtsamkeit und Bezugnahme prägen seine organisch-rhythmische Bewegungsarbeit, die den Atem als formende Kraft mit einbezieht. Seine «Organgymnastik», die aus der Zusammenarbeit mit Johannes Ludwig Schmitt entstand, wurde zur Grundlage seiner Lehrweise. Medau sah die Zukunft zunehmend in der Arbeit an der «Innenbewegung». Dies bestätigten ihm auch Volkmar Glasers Erkenntnisse über das Gamma-Nervenfaser-System und die Bedeutung des Meridiansystems für die Persönlichkeits- und Bewegungsentwicklung.
1.1.4 Weitere, der Atemarbeit nahe stehende Personen und Methoden
Zwischen Gymnastik, Entspannungs- und Atemtherapie angesiedelt ist die Spür- und Tastarbeit von Elsa Gindler (1885-1961), die ebenfalls auf ein ganzheitliches Körpererleben hinwirkt. Für viele (Atem-)Therapeuten gehören Teile ihrer Arbeitsweise zum Basiswissen. In den USA wurde diese Arbeit unter dem Namen «Sensory Awareness» bekannt.
Die Arbeit von Gerda Alexander (1908-1994) nahm eine Zwischenstellung zwischen Entspannungs-, Bewegungs- und Atemtherapie ein. Sie vertrat den Grundsatz: «Wesensbewusstheit durch Körperbewusstheit.» Sie lehrte das bewusste Regulieren des Gesamttonus für eine Spannungsbalance zu verwenden. Von ihr wurde 1957 der Begriff «Eutonie» eingeführt.
Marianne Fuchs (1908-1991) begründete die Methode der «Funktionellen Entspannung». Im Mittelpunkt steht der Körper, der sich am Atemrhythmus, in seinem Bewegt-sein und Sich-bewegen-lassen darstellt.
In den vergangenen Jahrzehnten entwickelten sich vor allem in den USA neue Formen der Atemtherapie, wie die forcierte Atmung. Sie berufen sich zum Teil auf alte schamanische und asiatische Atemrituale.
1.1.5 Entwicklung der Atemmethoden in der Schweiz
Auch in der Schweiz gründeten ehemalige Schülerinnen Ausbildungsinstitute mit dem Einverständnis der jeweiligen Methodenbegründerin / Methodenbegründer, oder sie entwickelten oder vertieften die Atemarbeit durch ihre eigene Art weiter.
In der heutigen Ausbildung «Atemtherapie auf logopsychosomatischer Grundlage» ATLPS wird die Atemarbeit von Margrith Schneider in dem von ihr gegründeten Kur- und Bildungszentrum Sunnehus gelebt, gelehrt und weiter entwickelt. In dieser werden die Empfindungs- und Erkenntnisfähigkeit für die Ursachen und Aufgaben der im Menschen zugelassenen Lebenssituationen erschlossen und vertieft.
Nach der Lehre und Forschung der «Integralen Atem- und Bewegungsschulung Wolf» IAB werden Atemübungen erst fruchtbar, wenn die gewebliche Spannungslage an der Peripherie über die Hirnzentren (Formatio reticularis sowie die Erlebnis- und Gedankenwelt) die Atmung beeinflusst. Somit erkennt die IAB Methode wichtige neurale Anlagen als reflektorische und reizmässige Behandlungsansätze, um alle Körpersysteme miteinander zu vernetzen und zu optimieren.
In der «Organisch-Rhythmische Bewegungsbildung ORB Medau» verbinden sich die Grundlagen der Lehrweise Medau mit der «Psychotonik» von V. Glaser. Die im Meridiansystem verankerten psychophysischen Zusammenhänge ergänzen die von Medau intuitiv erfassten Gesetzmässigkeiten für die menschliche Entwicklung, für den Zugang zu den persönlichen Ressourcen und die Fähigkeit des Organismus, sich selber ins Gleichgewicht zu bringen. Die ORB Medau ist ein Weg der individuellen Entwicklung, welcher zu schöpferischer Tätigkeit im therapeutischen, pädagogischen, sozialen und künstlerischen Bereich führt.
Der Ansatz in der «PsychoDynamischen Körper- und Atemtherapie LIKA» ist eine Weiterentwicklung der Lehre der «Psychotonik», der psychodynamischen und psychosozialen Interpretation des Meridiansystems nach V. Glaser. Zusammengeführt mit Konzepten aus der «Integrativen Körperpsychotherapie IBP» nach Jack L. Rosenberg versteht sie den Atem als verbindendes Element zwischen emotionaler Prägung, Körperdynamik und psycho-sozialem Verhalten.
«Der Erfahrbare Atem» wie er von der Begründerin Ilse Middendorf entwickelt wurde, war geprägt vom Grundsatz „Heilen ist gleich lehren, Lehren ist gleich Heilen“. Dieser ursprünglich atempädagogische Ansatz war sehr auf Selbsterfahrung ausgerichtet. SchülerInnen von I. Middendorf brachten die Methode in die Schweiz und entwickelten diesen Ansatz zu einer therapeutischen Methode weiter. Die methodischen Grundlagen des Erfahrbaren Atems wurden mit therapeutischen Modellen der Psychosomatik, psychotherapeutischen sowie - körperpsychotherapeutischen Ansätzen verwoben und erweitert. Dieses erweiterte Verständnis des Erfahrbaren Atems, so wie er in der Schweiz gelehrt und praktiziert wird, führte zu einer raschen Verbreitung und Etablierung der Atemtherapie.
Ausgehend von Techniken von Ilse Middendorf, Elisabeth von Gunten und Volkmar Glaser entwickelte das IKP unter der Ärztin und Psychotherapeutin Yvonne Maurer die «Ganzheitliche-Integrative Atemtherapie IKP», die zur vegetativen Eutonie führt, wobei dieser Prozess durch beraterisch-psychotherapeutische Konzepte IKP unterstützt wird. Diese Weiterentwicklung steht auf der Grundlage des alle Lebensdimensionen des Menschen berücksichtigenden Anthropologischen Würfelmodell’s IKP.
Gemeinsam ist allen, dass sie an der körperlichen, seelischen, sozialen und auch geistigen Einheit des Menschen ansetzen. Diese Schulen unterscheiden sich voneinander weniger in der Sichtweise des Menschenbildes, als vielmehr in ihren Grundkonzepten von Therapietheorie und Praxeologie.
1.2 Therapieansatz und Wirkungsweise
1.2.1 Das Phänomen Atem
Der Atem umfasst den Menschen in seiner Ganzheit. Die Atmung ist eine lebensnotwendige Grundfunktion, die mit allen Vorgängen im Organismus verbunden ist. In der Regel geschieht der Atem unbewusst. Er kann jedoch auch achtsam wahrgenommen oder bewusst geführt werden. Alltagsverhalten, Gedanken, Gefühle und körperliche Veränderungen wirken sich auf die Atmung aus. So kann es dazu kommen, dass der Atem nicht mehr mühelos fliesst, sondern kurz, flach oder stockend wird. Treten derartige Atemstörungen immer wieder oder über längere Zeit auf, verringert sich das natürliche Atempotential. Einzelne Körperregionen werden in der Folge zu wenig von der Atemschwingung angeregt und die Organe nicht mehr optimal mit Sauerstoff und Energie versorgt. Es entstehen Verspannungen, Blockaden und Erschöpfungszustände im körperlichen und seelisch-geistigen Bereich, die zu Stress und körperlichen Beschwerden führen.
In der Atemarbeit gilt es, die natürlichen Atemreaktionen wieder zu finden. Dies fördert die körperlichen, seelischen und geistigen Fähigkeiten des Menschen. Dadurch werden ihm seine wesenseigenen Anlagen und Kräfte zugänglich, er wird belastungsfähiger und kann somit den Alltagsanforderungen leichter begegnen.
1.2.2 Therapieansatz
Die Atemarbeit orientiert sich am Atem-, Spannungs-, Haltungs- und Bewegungsbild, an der Stimme, am Energiegeschehen und den verbalen Aussagen der Klientin / des Klienten im Gespräch.
1.2.3 Wirkungsweise
Die atemtherapeutische Behandlungsweise wirkt sich positiv auf die Spannungsbalance, Haltung, Bewegungsdynamik und die persönliche Empfindungsfähigkeit und deren Ausdrucksform aus. Sie
·verbessert die Atemqualität in Bezug auf Vertiefung der Atmung, harmonisiert den Atemrhythmus und stärkt die Atemkraft.
·reguliert den Muskeltonus zugunsten der Atemqualität, harmonisiert die Körperhaltung und das Bewegungsverhalten.
·erweitert den Handlungs- und Bewegungsspielraum und entwickelt das Körper-, Raum- und Situationsempfinden.
·entwickelt und stärkt über den Atem das Selbstbewusstsein und die Selbstheilungskräfte.
·fördert das Bewusstsein körperlich-seelisch-spiritueller Zusammenhänge.
·unterstützt die Ausdauer und die psychische Belastbarkeit
2 Arbeitstechniken
2.1 Befunderhebung - Information und Planung
2.1.1 Befunderhebung
Die Atemtherapeutin / der Atemtherapeut orientiert sich bei der Befunderhebung und im Therapieverlauf an folgenden Faktoren und leitet daraus einen atemspezifischen Befund und erste Behandlungsmöglichkeiten ab:
Qualität des Atems (Atemdiagnostik)
Atemrhythmus-, -frequenz, -volumen und -fluss, sowie Atemansatzpunkt- und Ausbreitungsgebiet geben Anhaltspunkte über die Qualität der Atmung und die Atemlebendigkeit in den verschiedenen Atemräumen.
Grundspannung der Muskulatur (Hyper-, Hypo-, Eutonus)
Die Grundspannung (Muskeltonus) und die Spannungsunterschiede im Körper werden anhand der Ausbreitung der Atemschwingung, der Haltung und dem Bewegungsfluss beobachtet. Die Reaktionsfähigkeit der Muskulatur beim Atemvorgang wird in ein atemtherapeutisches Modell eingeordnet.
Stimme
Die Qualität der Stimme als Ausdruck der Stimmorgane und der Resonanz- oder Schwingungsfähigkeit der Muskulatur im Körper wird in das körper- und atemtherapeutische Gesamtbild der KlientIn eingeordnet. Atemräume und Stimme/Tönen sind integrierter Bestandteil der Atemtherapie oder können als Spezialgebiet vertieft Anwendung finden.
Energiegeschehen
Die Beeinflussung des Atemgeschehens durch aktuelle Wahrnehmungen, Gedanken, Vorstellungen, Gefühle und die allgemeine körperliche, seelische und geistige Befindlichkeit wird in der Atemdiagnostik integriert und in Bezug zu einem körper- und atemtherapeutischen Modell interpretiert.
Der Atem als die Verbindung zwischen Körperinnenraum, dem energetischen Umraum und dem spirituelle Bezug wird als feinster Seismograph wahrgenommen und leitet den Therapieverlauf prägend.
Gespräch
Gemeinsam mit der KlientIn werden der körper- und atemtherapeutisch Befund sowie mögliche Behandlungsschritte besprochen und festgelegt. Die AtemtherapeutIn orientiert sich dabei an der körper- und atemtherapeutischen Befunderhebung und den verbalen Aussagen und Stellungsnahmen der Klientin gegenüber der körperlichen Befindlichkeit, der seelischen Gestimmtheit, der mentalen Einstellung und ihrem sozialen Beziehungsnetz.
2.1.2 Information und Planung
Die Atemtherapeutin / der Atemtherapeut bespricht gemeinsam mit der Klientin / dem Klienten aufgrund der Befunderhebung
·das Behandlungsziel
·die möglichen atemtherapeutischen Behandlungsschritte
·die eventuellen Vorteile eines Gruppenunterrichts
·den voraussichtlichen Zeitaufwand
·die Sitzungsintervalle
·die Kosten
2.2 Therapeutische Arbeit
2.2.1 Durchführung
Durch unterschiedlich gestaltete Bewegung und Behandlung werden verschiedene Körperregionen, Muskelketten, Organsysteme und Stoffwechselvorgänge in ihrer Funktion gestärkt. Dabei wird grossen Wert auf die Entwicklung und Pflege des Atembewusstseins, der Empfindungsfähigkeit und der persönlichen Erlebnisfähigkeit in Bezug auf sich selbst und andere gelegt.
Die Atemtherapeutin / der Atemtherapeut
berücksichtigt den Befund, die methodischen Möglichkeiten, die körper- und atemtherapeutischen Zielsetzungen, die Ziele der Klientin / des Klienten sowie die eigenen fachlichen Grenzen in der Planung
entscheidet sich für methodenspezifische, nachvollziehbare Behandlungsschritte
Körper- und Atemtherapie kommt je nach Indikation in der Einzelsitzung oder in Gruppen zur Anwendung. Sie eignet sich sowohl für Erwachsene jeden Alters als auch für Kinder und Jugendliche. Die Übungen werden in liegender, sitzender, stehender Position oder in der Bewegung ausgeführt
Folgende körper- und atemtherapeutische Elemente werden angewendet:
·Taktile, kommunikative Atembehandlungen auf der Haut oder über der Kleidung
·Atemspezifische und situationsbezogene Bewegungsabläufe in Bezug zu Raum und Mensch
·Atemwirksame Dehnungen
·Atemmeditationen
·Wahrnehmungsübungen zu Energiefluss, Körper- und Atemraum, Körperumraum und der Befindlichkeit
·Vokalraumübungen
·Einbezug von Stimme und Tönen, zum Teil Musikinstrumenten
·Unterstützende Hilfsmittel wie Kissen, Bälle, Stäbe oder andere Objekte
·Therapeutisches Gespräch
2.2.2 Prozessunterstützung
Die Atemtherapeutin / der Atemtherapeut
·begründet und erklärt die Behandlungsschritte
·leitet die Klientin / den Klienten zu differenzierter Wahrnehmung und Veränderungen im Empfinden an (z.B. Anspannung – Gelöstheit, Schwere – Leichtigkeit, Durchlässigkeit – Dichte, Wärmeempfindung, eigene Gestimmtheit)
Die Atemtherapeutin / der Atemtherapeut
·orientiert sich an den Veränderungen
- der Atemqualität
- des Spannungs-, Bewegungs- und Energiegeschehens
- der emotionalen Verfassung
- den verbalen Aussagen
und leitet daraus weitere therapeutische Schritte ab
Die Atemtherapeutin / der Atemtherapeut
·leitet über empfundene Körper- und Atemerfahrungen die Verbindung zum Alltagsverhalten ein
·begründet und leitet Übungen für den Alltag an
·begleitet bei Fragen der Lebensführung beratend
2.2.3 Spezifische Arbeitstechniken der verschiedenen Atemrichtungen
Atemtherapie auf logopsychosomatischer Grundlage ATLPS
Im praktischen Vollzug bedingt ATLPS eine Vorbereitung der Therapeuten. Er/Sie empfindet sich in den Rhythmus des Ein- und Ausatmens und versucht dabei Gedanken und Vorstellungen loszulassen und leer zu werden. Dem Klienten wird so meinungsfrei begegnet, ohne Vorstellung und ohne Erwartung. Die Arbeit geschieht im Körperkontakt mit dem Klienten.
Diagnose
Die Hände des Therapeuten beginnen am Rücken zu spüren, ob und wie die Kräfte fliessen. Das Erspüren der fliessenden oder blockierten Kräfte ist identisch mit dem Erspüren und Erhorchen der psychischen Befindlichkeit. Anatomisches und physiologisches Wissen sind nötige Grundlagen zur Erkenntnis der seelischen Zusammenhänge.
Behandlungsarbeit
Durch den Atem und einfühlsames Lösen von Verspannungen kann der Gedankenfluss beruhigt und das Empfinden aus der Tiefe der Entspannung geweckt werden. Auf diese Art wird Odem erlebbar und die körperlichen, seelischen und geistigen Kräfte, die in jedem Menschen angelegt sind, werden erschlossen.
Atem- und Empfindungsarbeit
Die Atem- und Empfindungsübungen werden sorgfältig aufbauend angeleitet. Nach dem ganz erfüllten Einatem und den in die Tiefe geleiteten Ausatem erschliesst sich in der Ruhe die innerste Kraft, der Odem. Verspannungen, die nicht selten bis in die Organe hineinreichen, werden gelöst. Die körperliche Tiefenentspannung und das «zur Ruhe kommen» der Gedanken kann erlebt werden.
Therapeutisches Gespräch
Das begleitende Gespräch unterstützt das Erkennen der Zusammenhänge zwischen Lebenssituation, krank machenden und gesund machenden Verhaltens- und Gedankenmustern und erschliesst so neue Perspektiven für Lebenssinn und Lebensaufgabe.
Logopsychosomatik
Die Logopsychosomatik gründet auf einem Menschenbild der Drei-Einheit von Geist, Seele und Körper. Als Logos verstehen wir die dem Menschen innewohnende universelle Schöpfungs- und Entwicklungskraft.
Gedankenkräfte
Die Wirkung von Gedanken und Gefühlen auf den Menschen wird durch die Empfindung wach und erlebbar. Dies fördert einen bewussten Umgang mit den Gedankenkräften.
In dieser Atemarbeit erschliesst sich durch die Stille die innere Ruhe, welche zu tiefer Empfindung führt. Dadurch wird eine Lebendigkeit erlebbar, die eine Öffnung dem Leben gegenüber ermöglicht.
Integrale Atem- und Bewegungsschulung Methode Klara Wolf® (IAB)
Die Integrale Atem- und Bewegungsschulung Methode Klara Wolf® hat als Arbeitsinstrument ein vielfältiges Übungskonzept zur Verfügung, das den Menschen direkt über sein Körperempfinden anspricht.
Die Abwicklung einer Übung erfolgt für die KlientIn mühelos und immer ihrer oder seiner Verfassung entsprechend. Dadurch werden Veränderungen und Lernprozesse erleichtert und gesundheitliche Fortschritte ermöglicht.
Rhythmische Atem- und Kreislaufübungen dienen als Ausgangslage
Vermittlung der Phonation und deren Bedeutung für die rhythmisch-dynamische Koordination von Atmung und Bewegung. Durchblutungs- und rückflussfördernde Übungen machen den Körper beweglich und durchgängig für den Transport des Sauerstoffs. Bessere Zellatmung und Herzmuskelversorgung.
Psycho-Dynamik geht Dysfunktionen des Atemmusters an
Dynamische Bewegungsimpulse gleichen Dysfunktionen aus, die sich im Atemgeschehen zeigen. Stimmeinsatz und harmonisierende Übungen erschliessen neue Empfindungen.
Energieaufbau erfolgt durch StoffwechseltrainingEine ergiebige Form der Energiegewinnung wird mit Kraftübungen und Ausdauertraining unter gleichzeitigem Einbezug der Atmung erreicht (Erhöhung der Anzahl Mitochondrien).
Das Drüsensystem im Gleichgewicht
Vibrierend-Schwingende Bewegungen mit tönender Ausatmung aktivieren das hormonelle Geschehen. Grössere Gelöstheit verändert die psychische Gestimmtheit positiv.
Nervliche Spannungslage angepasst und reguliert
Bewusste Nervenpflege beruht auf Dehnlagen, gezielter Atemraumentfaltung und konzentrativer Entspannung. Dadurch geschieht eine Spannungsregulierung, die lockert, tonisiert und beruhigt.
Bewusstseinsschulung
Bewusstes koordinieren von Bewegungsabläufen lässt nervale Vernetzungen im Hirn zustande kommen. Die Lernfähigkeit und geistige Präsenz wird gefördert.
Wahrnehmungsschulung
Schwingende Bewegungen vertiefen die Erlebnisfähigkeit und ermöglichen ein sicheres Gefühl für den Gebrauch der eigenen Kräfte. Sich ausdrücken können wirkt befreiend.
Diese vielfältige Übungsdynamik wird in Gruppen- oder Einzelstunden, in individuell angepasstem Rhythmus vermittelt. Sie führt zu einem verbesserten Funktionszustand aller Körpersysteme.
Weiterführende Behandlungsformen beziehen sich spezifisch auf Schwangerschaft- und Geburtsvorbereitung, auf Rückbildungs- und Beckenbodentraining, auf Haltungs- und Organschwächen, auf Asthma und Atemmassagen.
Organisch-Rhythmische Bewegungsbildung ORB Medau «Atem Bewegung Musik»
Die Organisch-Rhythmische Bewegungsbildung ORB Medau orientiert sich am Atem-, Bewegungs-, Spannungs- und Haltungsbild des Menschen. Wegweisend sind die im Meridiansystem verankerten psychophysischen Zusammenhänge in ihrer Dynamik und Lebensthematik sowie die in der Natur und im Menschen in Erscheinung tretenden organisch-rhythmischen Gesetzmässigkeiten.
In prozessorientierter Behandlung und Bewegung werden die im Menschen angelegten Entwicklungs- und Heilkräfte durch folgende Interventionen unterstützt:
Atembehandlung
Sich Einleben in die Ausformung des Körper- und Atemraumes. Den Atem sehen, ihn als Ausdruck der momentanen Anwesenheit und Stellungnahme erkennen. Den Atem begleiten und anregen durch taktiles Verlocken, Anfordern bezüglich seines räumlichen und rhythmischen Verlaufes, seiner Kraft und Wandlungsfähigkeit. Empfindungen und Einsichten, welche durch den verbal-taktilen Eutonieaufbau entstehen verbalisieren und ihre Bedeutung für den persönlichen Entwicklungsweg erkennen.
Organgymnastik
Den Atem lenken, entwickeln, gestalten durch sorgfältig angeleitete Dehnlagerungen. Wegweisend sind räumliche Einstellung, Bewegungsvorausnahme und Eigentongestaltung. Durch Empfindungslenkung zu Leibraumbewusstsein finden, Atemschwingung erleben.
Bewegungsentwicklung
Federungs-, Strömungs- und Schwingungsgeschehen als rhythmisches Prinzip im menschlichen Organismus erfahren. Entwicklung der Bewegungsqualität im Umgang mit einem Gegenüber oder mit einem Gegenstand. Dabei bilden die Kei Ra Ku*, die Königsadern* und die Extrameridiane* mit ihren spezifischen dynamischen Thematiken eine wesentliche Grundlage. Der Situation angepasstes Handeln regt Bewegung und Atem wechselseitig an. Die Bewegungen werden fliessend, gelöst und rhythmisch.
Tonusregulation durch Transsensus*
Üben und ausbilden eines feinsinnigen Sensoriums im Umgang mit Dingen und Menschen durch Hinwendung (Transsensus) vertieft die Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit. Erkennen der Bedeutung von Bezugnahme und rezeptiver Einstellung im Tun, sowie ihrer Auswirkung auf den Grund- und Reflextonus, auf Elastizität und Koordination von Bewegungsabläufen. Über- und Unterspannung gleichen sich aus zur Eutonie (Wohlspannung).
Musik–Ton–Tonus
Tonschwingung und rhythmische Gestaltung erfahren mittels Stimme, Klang- und Musikinstrumenten. Vokale und Konsonanten als räumlich-rhythmisches Atem- und Bewegungsgeschehen erleben. Durch Summen und Tönen oder federnde Berührung wird der Organismus in Schwingung versetzt und tonisiert.
Haltungsaufbau in der Auseinandersetzung mit der Schwerkraft und der Mitwelt. In wahrnehmender Haltungsarbeit durch Gewichtsempfinden und Gleichgewichtsspiel in Anpassung und Widerstand eröffnen sich vielfältige neue Handlungsmöglichkeiten und Verhaltensweisen. Ein bewusstes Befreien von ungünstigen Gewohnheitsmustern wird möglich. Über die Meridianverläufe und Thematiken der Kei Ra Ku, der Extrameridiane und der Königsadern kann die Bedeutung des unteren, mittleren und oberen Leibraumes für die Aufrichtung und die Entwicklung des Menschen erfahren werden.
Begleitendes, therapeutisches Gespräch
Reflektieren und verbalisieren der gemachten Erfahrungen und Empfindungen. Ihre Bedeutung für den persönlichen Alltag erkennen und thematisieren.
*Kei Ra Ku : Sechs Handlungsthematiken auf dem Verlauf der zwölf Hauptmeridiane beruhend.(Volkmar Glaser)
*Extrameridiane und Königsadern: Zustandsformen der Persönlichkeitsentwicklung auf dem Verlauf der Sondermeridiane beruhend. (Volkmar Glaser)
*Transsensus: «Über-sich-hinaus-spüren», «sich hinwenden» (Volkmar Glaser)
PsychoDynamische Körper- und Atemtherapie LIKA®
Die PsychoDynamische Körper- und Atemtherapie LIKA® orientiert sich am aktuellen Atemgeschehen (welches die momentane Befindlichkeit ausdrückt), der Rückenform (der gewordenen Atemform, welche die psychodynamischen Aspekte der persönlichen Lebensgeschichte spiegelt), der Energie des Meridiansystems «Kei Raku» und den entsprechenden Grundformen der Entwicklung und des Verhaltens, der Sondermeridiane und integriert psychotherapeutische Konzepte zu sozial-emotionalen Prägungen.
In der Behandlung werden lösungs- und prozessorientierte, auf Eutonie ausgerichtete Atem- und Körperinterventionen eingesetzt wie
Atemmassage
Eine eutonisierende Massage auf der Basis der Sondermeridiane mit entsprechenden Daseinsthemen. Der aktuelle Atem und die Präsenz des Menschen werden visuell und über den taktilen Kontakt wahrgenommen. Mit taktilen Interventionen wie locken, anfordern, schwingen (taktile Kommunikation) wird der Atem und somit das Körper- und räumliche Empfinden verändert und die Daseinsthemen erfahrbar gemacht. Die persönliche Erfahrung wird im Gespräch formuliert und somit bewusst.
Meridianbehandlungen
Psychodynamische Atemmassage auf den Bahnen des Meridiansystems «Kei Raku» aktiviert die entsprechenden Atemformen und psycho-sozialen Thematiken. Der Tonus der Muskelketten, über welche die Meridianbahnen verlaufen, wird durch die taktile Kommunikation ausgeglichen und belebt und die entsprechenden archaischen Handlungs- und Ausstrahlungs-Qualitäten erfahrbar gemacht. Die entsprechenden Atemmuster stellen sich ein.
Kommunikative Bewegung
Bewegen im Kontakt oder in Bezug zu Raum, Objekten oder Menschen. Über Hinwendung, Wahrnehmung und Intension entstehen ganzheitliche, fliessende, harmonisch sanfte oder kraftvolle Bewegungen, welche sich als Verhalten im Alltag umsetzen können. Diese werden auf der Basis des Meridiansystems «Kei Raku» und den Grundformen der Entwicklung eingeordnet.
Körper- und Kontaktwahrnehmungsübungen
Fördern das Körperbewusstsein und unterstützen den Körperkontakt für einen differenzierten Umgang mit Körper und Umwelt.
Ton- und Stimmübungen
Unterstützen den Atemfluss und die Atemkraft und einen adäquaten Muskeltonus.
Energieraumaufbau LIKA®
Meditative Bewegungsübung zur Sammlung und Zentrierung
Meridiankomposition LIKA®
Körpergebiete und Themen der Sondermeridiane und des Meridiansystems «Kei Raku» werden aktiviert.
Psychotherapeutische Konzepte
Dienen der persönlichen Psychohygiene und lassen Verhaltensthematiken (z.B. Abgrenzung, Übertragung/Gegenübertragung, Nähe-Distanz-Auffälligkeiten) und familiengeschichtliche Zusam-menhänge von Klienten erkennen und begründen allfällige Überweisungskriterien an weitere Fachpersonen.
Begleitendes, therapeutisches Gespräch
Die persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse der Klientin / des Klienten werden im Gespräch empathisch reflektiert und dienen der Neuorientierung und Integration im Alltag.
Atemtherapie und Atempädagogik Middendorf
Die TherapeutIn arbeitet mit der KlientIn an der Entwicklung seiner körperlichen Empfindungs- und mentalen Sammlungsfähigkeit, die ihn durchlässiger werden lässt für die Erfahrungen, welche mit dem Atemgeschehen verbunden sind und sich regulativ auf den Organismus auswirken.
Schlüsselelement des Erfahrbaren Atems nach Middendorf ist das willentlich nicht beeinflusste Geschehen lassen des Atems. Der Atem soll unmittelbar erfahren, beachtet und aufmerksam wahrgenommen werden. Die sich vertiefende Empfindungsfähigkeit führt zu Veränderungs- und Entwicklungsprozessen, die Gesundheit und persönliches Wachstum fördern.
Atembehandlung und Gruppenarbeit
Mit Druck und Dehnung stimuliert und reguliert die TherapeutIn den Atem der KlientIn, bei der Behandlung manuell am Körper des Klienten. In der Gruppenarbeit wirkt das Prinzip von Druck und Dehnung über die aktive eigene Bewegung.
Das Atemgespräch
Das Atemgespräch findet in der Einzelbehandlung statt. Durch das Berühren des Leibes der KlientIn mit den Händen nimmt die TherapeutIn das Atemgeschehen und seine Veränderungen wahr, das heisst die Atembewegung und seine räumliche Ausbreitung, den Atemrhythmus und die Atemqualität. Die KlientIn wird angeleitet sein Atemgeschehen innerlich ebenfalls wahrzunehmen und zuzulassen.
Im Zwiegespräch zwischen den Händen der TherapeutIn und dem Atem der KlientIn geschehen mittels Dehnung, Druck, Bewegung Veränderungen und Entwicklungen auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene.
Zentrierung
Insbesondere werden polare Lebensenergien durch gezielte Atem und Bewegungsabläufe erarbeitet und bewusst gemacht:
·Hintergrund (Rücken) Aktionszentrum, das Tun. Vordergrund (ganze Körpervorderseite) beinhaltet die körperlich /seelische Haltung, das Sein.
·Linke und rechte Körperseite ( Vergangenheit und Gegenwartsdimensionen)
·Untere und obere Körperhälfte ( das kollektive Unbewusste und das Persönliche Unbewusste)
·Innenwelt und Aussenwelt ( Ich/Du Dimension)
In aufeinander abgestimmte Körper- und Atem - Bewegungsverfahren werden die oben genannten Seinsqualitäten zentriert d.h. bewusst gemacht.
Vokalatem
Das Tönen oder schweigende Kontemplieren von Vokalen lässt bestimmte Resonanzräume und deren Grenzen entstehen und durch die Atembewegung erfahren. Das stärkt die Klangfülle der Stimme und die persönliche Ausdruckskraft.
Die Konsonanten wirken impulshaft im Zwerchfell- und Beckenbodenbereich, konturbildend oder lösend für die Körperwände und verbinden die Vokalatemräume.
Ganzheitlich-Integrative Atemtherapie IKP
Körperfühl- und Wahrnehmungsarbeit
Der wichtigste Bestandteil der Atemtherapie IKP sind die Erfahrungen des eigenen Körpers und mit dem eigenen Körper. Dazu dienen Atembehandlungen und verschiedenste Dehnungs- und Bewegungsübungen im Einklang mit dem Atemrhythmus im Sitzen, Stehen oder Liegen. Durch Achtsamkeit und Hingabe im Hier und Jetzt wird liebevolle Zuwendung zu sich selbst möglich. Damit wird das Empfindungsbewusstsein gefördert, der Atemraum wird geweitet, die Atmung wird tiefer und ruhiger. Dies ermöglicht Entwicklung und Reifung von innen her. Dadurch fühlt sich die KlientIn kraftvoller und gelassener in und mit Ihrem Körper als Einheit und Ganzheit, was Ihr Selbstvertrauen stärkt.
Ganzheitlichkeit leben bedeutet, sich selber als Körper wahrzunehmen und in Aktion zu setzen, ebenso als fühlendes und denkendes Wesen – eingebunden in ein Netz von Beziehungen und eingebettet ins Zeitgeschehen und ins Räumliche. Dabei nehmen wir teil an der Weiterentfaltung der Schöpfung, Werte und Visionen geben uns innere Kraft und Energie.
Atem, Bewegung und Stimme
Atem verleiht der Stimme Klang, Tiefe und Kraft. Durch die Atem-Vokalraumarbeit entstehen innere Resonanz- und Klangräume, die den Ausdruck und den Ton der Stimme tragen, beeinflussen und unterstützen. Mit Atem- und Bewegungsübungen werden die Vokalräume vorbereitet. Das „schweigende Singen“ oder Kontemplieren eines Vokals verbessert den Atemraum.
Atem, Bewegung und Meridiane
Durch Übungen in Bewegung und Ruhe und durch Bewegungsmeditation kann das Zusammenspiel von Atem, Bewegung, Haltung, emotionalem und sozialem Verhalten erfahren werden. Die Meridiane, bzw. Leitbahnen werden durch Atem-Dehnübungen gestärkt.
Eutonie in der Atemarbeit
Atemtherapie führt zu Entspannung, muskulärer und vegetativer Eutonie. Das Harmonisieren der körpereigenen Spannung in „Wohlspannung“ wird erreicht durch Atembehandlungen und intentionale Bewegungsübungen.
Berührungsarbeit und taktile Ateminterventionen
Atembehandlungen finden meist auf der Liege statt. Situativ angepasst arbeitet die TherapeutIn am bekleideten Körper oder direkt auf der Haut. Die Diagnose von Befindlichkeit und Verhalten wird mittels Sehen und Erfühlen durch die Hände vorgenommen. Senso-taktikle Dehnungs-, Halte- und Massagegriffe im Einklang mit dem Atemrhythmus ermöglichen die Selbstwahrnehmung, tragen zur Lösung von Verspannungen und Blockaden bei und entfalten ihre heilende Wirkung. Stimulieren von Druckpunkten fördert die Fähigkeit, sich abzugrenzen und den eigenen Innenraum bewusst wahrzunehmen.
Begleitendes therapeutisches Gespräch
Der Einbezug des Gesprächs in die Atemtherapie ist charakteristisch für die Methode IKP. Das einfühlende Verstehen ermöglicht dem Klienten, über sich selber, die eigenen Erfahrungen, Gefühle, Verhaltensmuster, Motivationen und Reaktionen Klarheit zu erlangen. Das begleitende psychotherapeutische Gespräch während der Körperfühlarbeit unterstützt ihn im eigenen Wahrnehmungs- und Bewusstseinsprozess. Sprechen und körperzentriertes Arbeiten gehen prozesshaft ineinander über. Das Gespräch ermöglicht ausserdem die Integration des Erfahrenen im Alltag und die Neuorientierung. Behandlungen, Bewegungsabläufe, vokale und nonverbale Ausdruckarbeiten sowie beraterische Gesprächsführung orientieren sich an der Zielsetzung der ganzheitlichen Entfaltung im Sinne des Anthropologischen Würfelmodells IKP von Dr. med. Yvonne Maurer.
2.3 Evaluation
Die Atemtherapeutin / der Atemtherapeut
·stellt Veränderungen im Atem-, Bewegungs-, Spannungs- und Energiegeschehen fest.
·beschreibt und dokumentiert den Verlauf der Behandlung
·bespricht und überprüft mit der Klientin / dem Klienten regelmässig den Behandlungsprozess in Bezug auf die Beschwerden und das vereinbarte Behandlungsziel
·erfasst die Umsetzung neuer Erfahrungen und Erkenntnisse der Klientin / des Klienten in seinem Alltag
·plant gemeinsam mit der Klientin / dem Klienten ein weiteres Behandlungsziel oder den Zeitpunkt des Therapieabschlusses
3 Grenzen der Atemtherapie
Die Atemtherapie orientiert sich am Kontakt und der Präsenz des Menschen in seiner aktuellen Situation. Bei akuten psychotischen Zuständen oder akuten Infektionskrankheiten ist Atemtherapie jedoch nicht die Methode erster Wahl. Es bestehen keine atemspezifischen Kontraindikationen, jedoch Behandlungs-einschränkungen entsprechend der persönlichen Kompetenz.
Die Grundzüge dieses Dokuments wurden in der Fachgruppe Atem im DV-Xund erarbeitet. Olten, 2. November 2007 / Ergänzungen Juni 2008 -- Weitere Details via Atemfachverband Schweiz. Der Link dazu befindet sich im Bereich 'Netzwerk'.
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